Buch- und Werkrezensionen

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Eine lange Geschichte, nicht ohne Schattenseite

 

Das mediale Interesse infolge des Papstwechsels lenkt auf dem Buchmarkt auch auf die Geschichte des Papsttums. Eine Geschichte, die nicht nur von klerikaler Verkündung zeugt, Päpste waren immer schon Menschen und nicht von menschlichen Schwächen frei. Skandale und Verbrechen gehörten zur wenig schönen Seite dieser Institution. Einen guten Überblick bietet der nun im Buchhandel erhältliche Stammbaum der Päpste...

Die Historie der Päpste reicht über zweitausend Jahre zurück und gleicht einem großen Kriminalroman mit den skandalösesten Geschichten und Gerüchten. Auf dem Stammbaum der Päpste (www.stammbaum24.com) finden sich genauso auch jene, die zurecht verehrt wurden und bietet einen kompakten Überblick auf über 2000 Jahre Geschichte. Eine genauere Betrachtung verdienen die skandalösesten Geschichten dennoch:

Leo III. (795 bis 816):
Er war als Ehebrecher berüchtigt. Aus diesem Grund sollen ihn Anhänger seines Vorgängers Hadrian I. verfolgt und ihn bei einer Prozession im Jahr 799 vom Pferd gestoßen haben. Seine Gegner wollten ihm die Zunge abschneiden und die Augen ausstechen. Er wurde in ein Kloster verschleppt, aus dem ihm jedoch die Flucht gelang. Es gelang ihm, nach Paderborn zu fliehen, wo er auf den Frankenkönig Karl den Großen traf, den er Weihnachten 800 zum Kaiser krönte.

Johannes VIII. (872 bis 882):
Er ist der erste von acht mittelalterlichen Päpsten, deren Leben durch einen gewaltsamen Tod endete. Unterschiedliche Versionen sind überliefert: Entweder starb er im Kampf gegen die Sarazenen am 16. Dezember 882, oder er wurde von seinen Verwandten ermordet. Diese hätten versucht, ihn in Rom zu vergiften. Nachdem das Gift nicht schnell genug wirkte, sollen sie ihn mit einem Hammer erschlagen haben. Einige Quellen behaupten, dass es sich bei Johannes VIII. nicht um einen Mann, sondern um die legendäre Päpstin Johanna gehandelt habe.

Formosus (891 bis 896):
Weil man ihn bezichtigte, an einer Verschwörung gegen Johannes VIII. teilgenommen zu haben, wurde er exkommuniziert, wenig später aber begnadigt. 891 wurde er selbst zum Papst auf den heiligen Stuhl gewählt. Formosus krönte Guido von Spoleto zum Kaiser. Als dieser aber zu mächtig wurde, rief er den deutschen König Arnulf aus Kärnten zu Hilfe, der daraufhin Rom eroberte und selbst zum Kaiser wurde. Am 4. April 896 starb Formosus eines natürlichen Todes. Doch schaurige Berühmtheit erlangte er erst als Leiche. Dies hat er seinem Nachfolger Stephan VI. zu verdanken…

Stephan VI. (896 bis 897):
897 findet einer der unglaublichsten Prozesse der Kirchengeschichte statt: Eine Leiche steht vor Gericht. Stephan VI., Anhänger des ehemaligen Kaisers Spoleto, dessen Entmachtung Papst Formosus vorangetrieben hatte, macht seinem Vorgänger den Prozess – auch wenn dieser schon mehrere Monate tot war. Der Vorwurf: Amtsmissbrauch und Meineid. Den halbverwesten Leichnam holte man aus der Gruft, zog ihm die Papstgewänder an und setzte ihn auf den Papstthron. Nach einem dreitägigen Prozess wurden dem Leichnam im Papstgewand alle Papstwürden aberkannt. Dem toten Papst werden die drei Schwurfinger abgeschlagen, sein Körper wird in den Tiber geworfen, aus dem ihn Anhänger jedoch wieder bargen. Doch schon bald richtet sich der Zorn gegen Stephan VI: Im August 897 wird er in den Kerker geworfen und dort erwürgt. Der Leichnam des Formosus jedoch sollte zu späterer Zeit noch ein zweites Mal geschändet werden.

Theodor II. (897 bis 897):
Der gebürtige Römer wurde im November 897 Papst – er blieb es nur 20 Tage lang. Denn im selben Monat starb der „friedliebende Mann“, wie er in den Quellen genannt wird. Trotz seiner sehr kurzen Amtszeit schaffte es Theodor II., den postum geschändeten Papst Formosus zu rehabilitieren. Er berief eine Synode ein, die die Beschlüsse der Leichensynode von 897 aufhob. Die verstümmelte Leiche ließ der Papst mit allen Ehren nach Rom überführen und in Sankt Peter beisetzen. Aber der Leichnam des Formosus sollte immer noch nicht seine endgültige Ruhe gefunden haben…

Sergius III. (904 bis 911):
Er ließ den Leichnam des Formosus nach zehn Jahren im Grab ein zweites Mal exhumieren. Der Leiche wurden nun auch noch der Kopf und die restlichen Finger der Schwurhand abgeschlagen. Wieder wurden die sterblichen Überreste in den Tiber geworfen, wo sie sich im Netz eines Fischers verfingen, von Anhängern gerettet und schließlich doch zur letzten Ruhe in den Petersdom zurückgebracht und dort bestattet wurden. Sergius III. ließ vermutlich seine beiden Vorgänger, Papst Leo V. und Papst Christophorus, erwürgen. Er zeugte den Quellen zufolge mit seiner Mätresse Marozia einen Sohn, den späteren Papst Johannes XI. Mit dem Pontifikat des Sergius begann auch die Periode der Pornokratie, der „Mätressenherrschaft“, mit der elf weitere Päpste in Verbindung gebracht werden und die erst im Jahr 963 mit dem Tod Papst Johannes XII. endete.

Johannes XII. (955 bis 963):
Er wird als eine der erbärmlichsten Figuren beschrieben, die je in der Geschichte Roms eine Rolle gespielt haben. Darum wurde er 963 wegen Unwürdigkeit abgesetzt. Johannes XII. wurde mit 16 (andere Quellen: mit 18) Papst. Ob er der jüngste Papst aller Zeiten war, bleibt ungewiss. Denn bereits im zarten Alter von zwölf Jahren soll Benedikt IX. im Jahr 1032 zum Papst ernannt worden sein. Allerdings ist nicht gesichert, ob Benedikt im Jahr 1012 oder im Jahr 1021 geboren wurde. In dem Falle wäre er nicht mit zwölf, sondern mit 22 Jahren Papst geworden… Aber zurück zu Johannes XII.: Er war ungebildet und beherrschte nur die Vulgärsprache. Geschichtsschreiber berichten von Mord, Verstümmelungen, Ehebruch, Inzest, Ämterschacher, Jagd- und Spielleidenschaft, Meineid und Gotteslästerungen. Er soll Pilgerinnen im Petersdom vergewaltigt haben, dem Teufel mit Trinksprüchen gehuldigt haben und heilige Gefäße an Prostituierte verschenkt haben. 964 wurde er angeblich von einem gehörnten Ehemann erschlagen.

Johannes XV. (985 bis 996):
Er nahm die erste Heiligsprechung der Geschichte vor (Ulrich von Augsburg) und stärkte die Autorität der Kirche im Ausland. Vor allem aber war er wegen seiner Habsucht und Geldgier berühmt-berüchtigt. Er soll das Vermögen der Kirche unter seinen Verwandten verteilt haben und ein Meister der Vetternwirtschaft gewesen sein: Seine besten Freunde setzte er auf die begehrtesten Posten. Für Bestechungsgelder soll er äußerst empfänglich gewesen sein.

Benedikt IX. (1032 bis 1044):
Man nannte ihn auch den „Kinderpapst“, bis heute ist allerdings nicht gesichert, ob er wirklich schon mit 12 Jahren den Heiligen Stuhl einnahm – oder erst mit Anfang 20, weil unterschiedliche Quellen über sein Geburtsdatum existieren. Benedikt IX. ist der Einzige, der dreimal Papst wurde (auch 1045 und 1047 bis 1948) – er verschacherte seinen Posten. Sein unmittelbarer Nachfolger, Papst Gregor VI. (1044-1046) erhielt den Heiligen Stuhl von Benedikt IX. im Tausch gegen wertvolle Besitztümer. Benedikt IX. soll bisexuell veranlagt gewesen sein, Sex mit Tieren gehabt haben und sich mit Hexerei und Satanismus beschäftigt haben. Ein Autor nannte ihn „Dämon der Hölle hinter der Maske eines Priesters“.

Innozenz IV. (1243 bis 1254):
Der Name Innozenz IV. ist eng verbunden mit den Schrecken der Inquisition. In seiner Bulle „Ad Extirpanda" legte er 1252 fest, dass bei der Strafverfolgung von Ketzern die Folter ein probates Mittel darstellt. Er soll sogar bei der Entwicklung möglichst brutaler Foltermethoden mitgeholfen haben.

Urban VI. (1378 bis 1389):
Als einige Kardinäle sich nach der Papst-Wahl gegen Urban VI. stellten, ließ dieser alle, von denen er annahm, dass sie an der Verschwörung beteiligt seien, foltern. Er soll sich beschwert haben, wenn die Gepeinigten nicht laut genug schrien. Kardinäle, die seinen Geisteszustand kritisierten, wurden besonders heftig gefoltert, fünf von ihnen später in Genua sadistisch hingerichtet. Es ist nicht gesichert, ob Urban schließlich vergiftet wurde. Sein Tod soll im Vatikan Jubel ausgelöst haben.

Alexander VI. (1492 bis 1503):
Wurde von Ulrich Zwingli scharf attackiert, weil er sich Gott nennen ließ. Er hatte vermutlich ein Verhältnis mit seiner Tochter Lucrezia Borgia, der bekanntesten Giftmischerin. Politische Gegner soll Alexander mit dem berüchtigten "Borgia-Gift" aus dem Weg geschafft haben. Er soll neun Kinder von verschiedenen Mätressen gehabt haben, darunter fünf allein aus dem Konkubinat mit der römischen Adeligen Vanozza Catanei. Noch als Siebzigjähriger soll er sich eine sehr junge Mätresse namens Giulia Farnese gehalten haben, die die Römer blasphemisch „sponsa christi“ (Braut Christi) nannten.

Leo X. (1513 bis 1521):
Leo X. wurde berühmt, weil er den Kirchenbann über Martin Luther verhängte. Dabei hatte Luther noch Glück. Mehrere Kardinäle, die möglicherweise ein Attentat auf Leo X. verüben wollten, starben durch vergiftetes Essen. Seinen Hofnarren, den er immer dabei hatte, ließ er brutal verprügeln, wenn dieser nicht lustig genug war. Leo X. verstarb plötzlich und wurde vermutlich vergiftet. Er gilt als einer der verhängnisvollsten Päpste und hinterließ so viele Schulden, dass nicht einmal die Kerzen zu seiner Beerdigung bezahlt werden konnten.

Stammbaum der Päpste:
Der Stammbaum der Päpste ist als Poster im Format 70 x 100 cm im Buchhandel und beim Einhorn-Presse Verlag erhältlich: ISBN: 978-3-88756-227-4, Ladenverkaufspreis: 29 Euro, www.stammbaum24.com

(w., +ü.Pm. und Foto: Einhorn-Presse Verlag)