Geschichtswissenschaft

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Dortmund hat „Ein wiedergefundenes Denkmal – Reste der Stadtmauer“


Dortmund sieht man seine jahrhundertealte Geschichte vielleicht nicht auf den ersten Blick an. Bei Tiefbauarbeiten findet man in der Innenstadt jedoch oft interessante Zeugnisse aus der Vergangenheit. So treffen die Archäologen am Wall immer wieder auf Reste der alten Stadtbefestigung. Im letzten Herbst entdeckten Bauarbeiter sogar eine regelrechte Sensation: Bei der Verlegung von Fernwärmeleitungen stieß man auf ein gut erhaltenes 8 Meter langes Stück der mittelalterlichen Stadtmauer, das nun im gereinigten Zustand für alle sichtbar erhalten bleibt.
Kompromiss zwischen „Vergangenheit" und „Zukunft"
Die Bauarbeiter von DEW21 staunten nicht schlecht, als sich ihrem Bagger in der Nähe des Adlerturms ein ziemlich großes Stück der alten Stadtmauer „in den Weg stellte". „Ein einmaliger Fund" für die Stadtarchäologin bei der Denkmalbehörde. Schnell standen zwei Dinge fest: Einerseits war dieses besondere Teilstück der alten Mauer auf jeden Fall zu erhalten, andererseits konnte es nicht dort bleiben, wo es sich befand. Es war aussichtslos, die großen Leitungsrohre für die Fernwärme anders zu führen. Die Denkmalpfleger und DEW21 fanden einen für beide Seiten annehmbaren Kompromiss. Auf Kosten von DEW21 wurde das Stück Stadtmauer ausgehoben, gereinigt und originalgetreu wieder zusammengebaut. Im März versetzte man es auf seinen neuen Platz neben dem Adlerturm.
„So fast as Düörpm"
Die Stadtmauer war der mächtigste, aber nicht der einzige Teil der mittelalterlichen Befestigung. Dem normalen Besucher der Stadt boten sechs Tore Einlass. Angreifer hätten dagegen die komplette Wehranlage überwinden müssen, zunächst eine Palisade, dann einen Vorgraben, als nächstes eine etwa 5 Meter hohe Vormauer, weiterhin den 12 bis 18 Meter breiten Stadtgraben und schließlich die Stadtmauer, die sich 8 bis 9 Meter über dem Stadtgraben erhob. Lange war diese Befestigung unüberwindbar. Das mussten auch der Graf von der Mark und der Erzbischof von Köln in der Großen Fehde von 1388 erfahren, als sie über ein Jahre lang vergeblich versuchten, die Stadt zu erobern. Die Losung „so fast as Düörpm" (= so (stand)fest wie Dortmund) hatte sich in der Realität bewährt.

Wehrhaft und würdevoll
Das wiederentdeckte originale Stück der Stadtmauer bietet jetzt Einblick in ihren Aufbau. Um eine Stärke von 1,60 Meter zu erreichen, errichtete man um 1200 im Grunde zwei Mauern, fest verbunden durch eine Füllung aus kleineren Steinen und Mörtel. Da man wegen eines innen auf der Stadtseite aufgeschütteten Walls mit Wehrgang diese Mauerseite seinerzeit nicht sehen konnte, verwendete man für sie unregelmäßige kleinere Bruchsteine. Die äußere Mauerschale aus regelmäßigeren großen Steinquadern über einem mehrfach gestuften Sockel sollte nicht nur wehrhaft sein, sondern auch den Status der Freien Reichsstadt durch ein würdevolles Aussehen betonen.
Zeugnis für die Entwicklung der Stadtplanung
Neue Wehrtechniken und letztlich der Verlust der Reichsfreiheit 1803 führten dazu, dass die Stadtbefestigung nach dem Mittelalter langsam verfiel. Bis 1810 waren bereits große Teile abgetragen. 1874 fiel das letzte Stück Stadtmauer zwischen Windmühlenberg und Wißstraßentor. Wie in vielen anderen Städten nutzte man im 19. Jahrhundert die freien Flächen der Wallanlage für die Anlage von baumbestandenen Promenaden, die zusätzlich Denkmäler und Brunnen schmückten. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs wiederum legte man auf die ehemaligen Wälle einen mehrspurigen Straßenring. Autogerechte Stadt war das Schlagwort. Der jetzige Standort der wiedergefundenen Stadtmauer ist ein Glücksfall, kann man doch so die Entwicklung der Wallanlagen anschaulich nachvollziehen: Auf der einen Seite ist neben Stadtmauer und Adlerturm noch ein Stück Promenade mit dem Schüchtermann-Brunnen und dem ehemals als Reitweg genutzten Mittelstreifen zu sehen. Auf der anderen Seite befindet sich die Neutor-Kreuzung, in den 1950er Jahren mit absichtlich geschwungenen Straßenführungen als Einfallstor für den Kraftwagenfahrer in die City geplant.

(stk., ü.Pm. Stadt Dortmund, Foto: Stadt Dortmund/Stefanie Kleemann)

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